Schulschwestern Auerbach

"Niemand schenkt dir größere Liebe!"

Sr. Faustina"Ich glaube, du könntest ins Kloster gehen", sagte mir eines regnerischen Nachmittags meine Deutschlehrerin im Bus auf dem Weg nach Dresden. "Ja, das mache ich", lautete meine spontane Antwort. Damals war ich 16 Jahre alt, hatte den Kopf voll von mehr oder weniger durchführbaren Zukunftsplänen und wünschte mir sehnlichst, mein junges Leben im Dienst an Gott und den Nächsten zu verschenken. Mir war zwar bekannt, dass es in der Kirche zu allen Zeiten Menschen gab, die ihr Leben ganz und gar Gott geweiht hatten - aber das waren die Auserwählten Gottes, die Heiligen. "Wenn ich mir nur sicher sein könnte, dass auch ich diesen Weg der engeren Nachfolge des Herrn gehen darf", seufzte ich etwas entmutigt. Doch nach kurzem Überlegen wusste ich, welche Schritte in dieser Angelegenheit noch zu unternehmen sind.

Als wir aus Dresden heimgekehrt waren, läutete ich sofort im Pfarrhaus und teilte unserem etwas überraschten Pfarrer mit: "Herr Pfarrer, ich möchte ins Kloster gehen. Wüssten Sie eines für mich? Und was muss man vor dem Eintritt noch alles erledigen?" Doch er blieb zu meiner großen Enttäuschung sehr nüchtern: "Hänge deine Klosterpläne nicht an die große Glocke und bete täglich in diesem Anliegen! Denn wenn dich der Herr wirklich ganz für sich haben will, lässt Er es dich zur richtigen Zeit erkennen. Wenn du aber jetzt schon ein Kloster kennen lernen willst, fahre doch in den Osterferien zu den Schulschwestern nach Auerbach." Natürlich war ich sofort einverstanden.

Im Auerbacher Kloster gefiel es mir sehr gut. Die helle, wunderschön geschmückte Kirche verriet sofort, dass dem Herrn des Hauses hier die größtmögliche Ehre entgegengebracht wird. Auch die Schwestern machten einen tiefen Eindruck auf mich: Sie leben in Stille und sind doch fröhlich, dienen dem Herrn im Verborgenen und wirken doch so segensreich in der Kirche und in der Welt. "Darf ich bald wiederkommen?", wollte ich beim Abschied am Ostermontag unbedingt wissen. "Aber natürlich, mit Freuden", versicherte mir Schwester Oberin. In dieser Osterwoche schloss ich mit dem Auerbacher Kloster eine langjährige Freundschaft und verbrachte dort so gut wie alle meine Ferientage.

"Frage doch den Herrn selbst, was Er von dir will, und lass es dir von Ihm sagen!", riet mir energisch eine meiner Studienkolleginnen, als ich mich bei ihr beklagte, immer noch nicht richtig zu wissen, was Gott mit mir vorhätte. Damals war ich 20, konzentrierte mich vor allem auf mein Studium und entdeckte nach und nach die Schönheiten des Lebens in einer Großstadt. Der Wunsch, sich Gott restlos hinzugeben, schlummerte ganz tief in meinem Herzen und wurde durch das Gespräch mit meiner Freundin wieder wachgerüttelt.

Am nächsten Sonntagabend stellte ich also während der Anbetung Jesus eine ganz konkrete Frage: "Willst Du wirklich, dass ich ins Kloster gehe?" "Entscheiden musst du dich selbst! Eines aber lass dir gesagt sein: Niemand schenkt dir größere Liebe als Ich!", antwortete mir der Herr. "Ich will Dir nachfolgen", stotterte ich etwas unbeholfen, "und will Dir mein Leben lang als Ordensschwester dienen - aber sofort ins Kloster einzutreten, brauche ich jetzt noch nicht, oder? Ich würde gerne noch ein paar Jahre warten ..."

Doch auf diesen etwas egoistischen Einwand antwortete mir Jesus nicht mehr, wohl weil Er wusste, dass ich etwa drei Monate später um die Aufnahme in die Kandidatur bei den Auerbacher Schulschwestern bitten würde. "Der Herr schenkt dir zur richtigen Zeit die nötige Kraft zu einer tragfähigen Lebensentscheidung, wenn du Ihn darum bittest", ermutigte mich kurz vor meinem Eintritt ins Noviziat eine Schwester. Aus eigener Erfahrung kann ich nun bestätigen: Es stimmt!