Schulschwestern Auerbach

Gib mir Dein Herz!

Sr. Ancilla

"Gib, Herr, dass auch viele Frauen und junge Mädchen ebenso entschlossen dem Ruf Deiner Liebe folgen ..." (aus einem Gebet des sel. Paul VI.)! Ich bin 12 oder 13 Jahre alt und denke mir heimlich immer wieder: Meinst Du mich?

Jeden Donnerstag beten wir so in der Pfarrei vor dem eucharistischem Herrn, dem ich als Ministrantin ganz nahe sein darf. Heute weiß ich, dass mein Heimatpfarrer in diesen Momenten stets für meine Berufung gebetet hat. Wenn ich jetzt als Schulschwester täglich eine Stunde der Anbetung vor dem Herrn halten darf, wird mir immer neu bewusst: Du meinst genau mich! Deshalb bin ich dem Ruf Seiner Liebe gefolgt, hinein in die Kongregation der Schulschwestern von Unserer Lieben Frau, hinein in die Brautschaft Christi.

Wie sah der Weg bis zu dieser Entscheidung, die weniger meine Entscheidung als vielmehr Seine Entscheidung für mich war, aus?

Ernst wurde es für mich, als ein Missionar aus meinem Heimatort bei uns auf Heimaturlaub war. Mit meinen 15 Jahren tief beeindruckt von seiner Hingabe, teilte ich meiner entsetzten Mama mit: "Ich gehe in die Mission!" Sie war natürlich dagegen. Und ehrlich gesagt, verflachte meine Missionsbegeisterung schnell wieder. Was blieb, war meine wachsende Liebe zum Herrn, die sich vor allem durch den Sakramentenempfang und die wöchentliche Anbetung vertiefte. So wuchs in meinem kindlichen Herzen beständig der Wunsch, mich Gott zu weihen. Die "einzige" Schwierigkeit für mich war: Wie? Kannte ich doch gar keine Ordensschwestern ...

Ein Jahr später führte mich die Muttergottes, deren Namen ich heute trage (Sr. Maria Ancilla - die Magd des Herrn), meinem Ziel näher. Es war die Wundertätige Medaille an meinem Hals, welche den Anlass für ein intensives Gespräch mit einem Bekannten über das Ordensleben gab. Ein Flyer führte mich dann zu den Schulschwestern von Unserer Lieben Frau. Die Schwestern in Auerbach waren mir - obwohl ihr Mutterhaus nur 20 km von Pottenstein entfernt ist - zu dieser Zeit überhaupt kein Begriff. Kurz nach dieser Begebenheit besuchte ich zum ersten Mal das Mutterhaus der Schulschwestern, recht aufgeregt, aber vor allem mit großer Freude. Und ich wusste sofort: Hier willst DU mich haben!

So war Seine Entscheidung gefallen, über die ich jedoch mit niemandem sprach, vielleicht aus Angst darüber, man könnte meinen, ich sei mit meinen 16 Jahren zu jung für das Ordensleben und für solch eine Entscheidung überhaupt. Dessen ungeachtet, hielt ich in der Folgezeit weiter Kontakt mit den Schwestern. Ich nahm dort an Exerzitien teil, kam zur Anbetung, half in der Küche mit und feierte sogar Fasching mit den Schwestern ... Dabei erlebte ich die Herzlichkeit im Umgang miteinander und spürte, dass der eucharistische Herr im Mittelpunkt der Gemeinschaft steht und Maria eine wichtige Rolle im Leben der Schwestern spielt.

Mittlerweile hatte ich das Abitur bestanden. Froh, dass die Schwestern in Eichstätt eine Niederlassung unterhalten, begann ich im Herbst 2012 an der dortigen Katholischen Universität das Studium der Theologie und der Germanistik und wohnte bei den Schwestern. Am Abend beteten wir immer gemeinsam vor dem ausgesetzten Allerheiligsten - dies waren für mich die wertvollsten Momente des Tages! Hier war es auch, wo Er mich ständig aufforderte: "Gib mir dein Herz" (Spr 23,26)!

Im Februar 2013 war es endlich so weit: An einem Muttergottesfest wurde ich in die Kandidatur aufgenommen. Ich war gerade 18. Die innere Freude, die ich an diesem Tag verspürte, sei nicht mehr zu steigern, so glaubte ich, und wurde doch eines Besseren belehrt. Sie wuchs von Tag zu Tag. Am 28. August 2014 wurde ich zusammen mit Monika (heute Sr. M. Klarissa) eingekleidet, und wir beide traten ins Noviziat ein. Die tiefe Freude und das Glück, die der Herr mir täglich schenkt, lassen sich mit Worten nicht beschreiben. Jeder, der auf der Suche danach ist, lasse sich vom Herrn gesagt sein: "Komm und sieh" (Joh 1,39)!